Geschichte und Ziele des Fördererkreises
Klaus Goldmann, Dieter Todtenhaupt
Während der Ausgrabungen der mittelalterlichen Siedlung am Machnower Krummen Fenn in den 60ziger und 70ziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand im Jahr 1970 im Kreise der Ausgräber um den damaligen Landesarchäologen Prof. Adriaan von Müller der Plan, die mittelalterlichen Häuser auf den ergrabenen Hausgrundrissen wieder aufzubauen und hier ein Museum zum Anfassen zu errichten. In diesem Museum sollten weniger Ausstellungstücke in Vitrinen zu sehen sein, sondern den Besuchern sollte die Geräte und die Handwerke des Mittelalters vorgeführt werden. Mit dieser Idee war die Gruppe ihrer Zeit weit voraus, wenigstens in Deutschland. Hinzu kam, dass wegen der einseitig ideologisch popularisierten Archäologie in den Jahren 1933 -1945 solche Ideen auch politisch belastet waren.
Deswegen wurde schließlich diese Museumsidee von in Frage kommenden Institutionen abgelehnt.
Die Gruppe aber gab nicht auf und gründete 1975 einen Verein, den “Fördererkreis des Museumsdorfes Düppel e.V.“
Mit einem Tag der offenen Tür stellte sich der Fördererkreis Pfingsten 1975 der Öffentlichkeit vor, nachdem man vorher drei Häuser auf den ergrabenen Grundrissen errichtet hatte.
Düppel 1975
Das Ergebnis, insgesamt ca. 10 00 Berliner an beiden Tagen hatte sich keiner träumen lassen. Sie wurden von den Archäologen über die archäologische Grabung, über mittelalterliche Handwerke und über die Ziele des jungen Vereins unterrichtet. Der Landesarchäologe warb mit dem Satz: “Bei uns können Sie Mitglied werden und dürfen dafür umsonst mitarbeiten“ um neue Mitglieder. Mit gutem Erfolg, denn am Pfingstmontag hatte der Verein 600 Mitglieder mehr. Sie kamen aus allen Schichten der Bevölkerung von der Hausfrau bis zum Universitätsprofessor, vom Jugendlichen bis zum Rentner, alles war vertreten. Die meisten hatten zunächst auch keine Fachkenntnisse, sondern nur den Wunsch hier mitzumachen, etwas über Handwerke und das Mittelalter zu lernen und es anderen mitzuteilen und natürlich auch ein Dorf aufzubauen. Es bildeten sich schnell Arbeitsgruppen, an denen jeder seinen Neigungen und Vorlieben entsprechend mitmachen konnte. Aber bald waren aus Laien Fachleute geworden, deren Rat von Archäologen und anderen Museen gesucht wird. Näheres bitten wir den Berichten der Arbeitsgruppen zu entnehmen.
Auch das Dorf wuchs weiter. Aus der kleinen Häusergruppe zum Anfang sind jetzt 12 Häuser, ein Backhaus, zwei Vorratsspeicher und zwei Brunnen geworden. Es war für uns ein Glück, dass wir noch zu Zeiten des „Eisernen Vorhangs“ Kontakt mit den Archäologen in Biskupin/Polen aufnehmen konnten, mit denen wir seit dieser Zeit eine gute Zusammenarbeit haben. Sie haben uns auch beim Aufbau einzelner Häuser geholfen, denn ganz allein war die Arbeit von den Vereinsmitgliedern nicht zu bewältigen. Trotzdem sich diese Arbeit sehen lassen kann: In den 35 Jahren beläuft sich die von den Mitgliedern getreu dem Spruch von Prof. Müller umsonst, d.h. ohne Bezahlung geleistete Arbeit auf mehrere Millionen Euro. Nicht zu vergessen ist auch, dass zu Beginn einige Bürger nennenswerte Beträge für die Anfangsfinanzierung bereitgestellt haben und das uns in dieser Zeit die Amerikaner, die Briten und die Berliner Polizei kostenlos die beim Erweiterungsbau des Flughafens Tegel gefällten Eichen, die wirtschaftlich wegen der Bomben- und Grantsplitter nicht mehr zu verwenden waren angeliefert haben.
Zum Dorf gehören auch Tiere. Prof. Werner Plarre nahm sich der Aufgabe an, geeignete Tiere für das mittelalterliche Dorf zu besorgen. Das Ergebnis seiner Arbeit ist das rückgezüchtete Düppeler Weideschwein und eine alte Schafsrasse, die Skudden, welche schon auf der roten Liste stand. Außerdem hat er ca. 100 Jahre altes Saatgut für den Hafer beschafft und eine Rückzüchtung des Roggens, welche dem mittelalterlichen Roggen schon sehr nahe kommt aus einer Landsorte durchgeführt.
Zu den in der Satzung festgelegten Zielen des Vereins gehören neben der Erarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit Hilfe der experimentellen Archäologie auch die Volksbildung. Neben den vielen Informationen über das Mittelalter die von unseren Mitgliedern jeden Sonn- und Feiertag in der Saison gegeben werden, neben zwei Dauerausstellungen, welche die Vereinsmitglieder aufgebaut haben, werden vom Fördererkreis auch Schulklassenführungen an jedem Schultag angeboten. Von diesem Angebot wird auch reichlich Gebrauch gemacht.
Der Fördererkreis als Träger des Museumsdorfes wurde von 1980 an vom Senat von Berlin finanziell unterstützt, so das wir existieren konnten. Wir hatten zwar große Planungen für den weiteren Ausbau des Museumsdorfes, die aber aus finanziellen Gründen bis heute nicht realisiert werden konnten.
Seit 1994 gehört das Museumsdorf Düppel zum Stadtmuseum Berlin. Die Vorführungen an jedem Sonn- und Feiertag und die Sonderveranstaltungen werden aber wie schon vor 35 Jahren von den ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des Fördererkreises durchgeführt. So findet jeden Sonn- und Feiertag um 11 Uhr eine Führung durch das Dorf und um 14 Uhr eine Vorführung der Holzteerherstellung statt. Dazu gehört ein Vortrag mit dem Titel „Vom Pech des Neandertalers bis zur Großchemie“. Darüber hinaus werden den ganzen Tag ohne einen festen zeitlichen Termin - abhängig von der Anwesenheit der entsprechenden Fachleute - an den verschiedenen Stationen mittelalterliche Handwerkstechniken, u.a. Spinnen, Weben, Schnitzen, Drechseln, Töpfern, Korbflechten, Schmieden, Gartenarbeit, sowie die bei Kindern beliebten mittelalterlichen Kinderspiele vorgeführt.
Spinnen Töpfern Brettchen weben