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Siedlungsgeschichte des mittelalterlichen Dorfes


Dieter Todtenhaupt

Die Mark Brandenburg um 1200


Zum Ende des 12. Jahrhunderts bildeten Havel und Nuthe die östliche Grenze der Mark Brandenburg. Die Karte, Bild 1, zeigt einen Zustand, der nur wenige Jahre Bestand hatte. Die Altmark, die Länder Ruppin, Rhinow, Bellin und Glien sowie die Zauche  -  als Patengeschenk des Hevellerfürsten Pribislaw-Heinrich an den Sohn Albrechts des Bären  - und das von Pribislaw vererbte Havelland gehörte zum Besitz der askanischen Markgrafen. Die Prignitz  dagegen gehörte den Edlen Gans zu Putlitz.
1209 konnten die Markgrafen mit dem Erwerb des  Landes  Jerichow  ihren Besitz vergrößern, dagegen verkauften sie 1214 das Land  Ruppin an die Grafen von Arnsheim.
Schon Albrecht  der Bär und danach auch seine Nachfolger wollten den  Herrschaftsbereich  bis an die Oder und Ostsee  ausdehnen. Nach dem Historiker W. Fritze(1985) hatten sie dafür eine langfristige Strategie.
                                         __Bild 1 

Besiedlung des hohen Teltow durch die Askanier


Nach dieser Strategie  sollte an einen geeignetem Spreeüberweg ein neuer  Handelsort, das spätere Berlin/Cölln gegründet werden.  Alle west-östlichen und nord-südlichen Handelswege  sollten dann über den Ort geführt  werden, um  den Fernhandel von Köpenick, dass zu dieser Zeit zum Herrschaftsbereich der  Markgrafen von Meißen gehörte, abzuziehen. Die Markgrafen von Meissen aus dem Geschlecht der Wettiner waren auch Markgrafen der Lausitz und hatten nicht nur Köpenick, sondern auch den südöstlichen Teil des hohen Teltow in  ihren Besitz gebracht.
                                                  Bild 2
          Museumsdorf Düppel   = Standort der Siedlung am Machnower Krummen Fennn
Dieser Handelsort brauchte aber auch ein gesichertes Umfeld und sichere Wege. Um das zu erreichen, musste  der westliche Teil des hohen Teltow, der nur an den Flussläufen von Bäke, Lanke, Dahme und Spree eine slawischen Besiedlung aufwies besiedelt werden.
In einer ersten Phase wurden vom Bäketal ausgehend die Dörfer Krummensee an der Krummen Lanke, Slatdorf  am Schlachtensee  und ein namentlich nicht bekanntes Dorf am Grunewaldsee gegründet.

Anfang der Siedung am Machnower Krummen Fenn


Vermutlich in dieser ersten Phase wurde auch die Palisadenbefestigung am Machnower Krummen Fenn auf dem halben Wege einer Straßenverbindung zwischen den beiden askanischen Burgen Spandau und Saarmund  (Bild 2) errichtet. Eine solche Straßenverbindung hatte schon Johannes Munk in seiner 1931 erschienenen Dissertation angenommen und sie in einer Karte dicht bei diesen Orten eingezeichnet, ohne von der früheren Existenz der Ortschaften am Machnower Krummen Fenn und an der Krunmmen Lanke zu wissen.
Die halbe Wegstrecke beträgt etwa 15 km, das entspricht etwa der Tagesleistung eines mittelalterlichen Ochsengespanns. Man muss dabei bedenken, dass die mittelalterliche Ochsen wesentlich kleiner und damit auch schwächer waren als heutige Ochsen. Die Palisadebefestigung könnte daher die Funktion einer Raststelle gehabt haben in der Tiere und Ware über Nacht eingestellt werden konnten.

Gründung des Dorfes
                          Bild 3     
Dieser Platz zog aber nach einigen Jahren auch Siedler an (Bild 3). Ob sie nun von einem Lokatoren geführt wurden oder ob es sich um Familien handelte, welche den Lebensumständen in ihrer alten Heimat entfliehen wollten und hier einen geeigneten Platz fanden, wird sich wohl nicht mehr ermitteln lassen. Die Palisade scheint  zu diesem Zeitpunkt schon ihre Funktion verloren zu haben, denn der, dem Krummen Fenn zugewandte Teil wurde nach dem archäologischen Befund von den Siedlern niedergelegt, vielleicht auch zur Bauholzentnahme  und die ehemals von der Palisade umschlossene Fläche wurde in das Dorfgebiet mit einbezogen. Zwei Stellen mit Hüttenlehm weisen auf Blockhäuser hin, die noch in die Zeit der Palisade gehören. Dem archäologischen Befund nach errichteten die Siedler  drei baugleiche Häuser. Ihr Bautyp war, nach allem was wir bis jetzt wissen, in dieser Gegend nicht üblich.  Bisher war es nicht möglich, aus diesem Baustil auf die Herkunft der Siedler zu schließen. Ähnliche Häuser im Freilichtmuseum Wolin/Polen werden den Friesen zugeschrieben. Auch ein viertes Haus  weist einen in dieser Gegend unüblichen Baustil auf. Insgesamt konnten bei der archäologischen Grabung sieben mehr oder weniger gut erhaltene Hausgrundrisse festgestellt werden.
 Die Zahl der Funde an Gerätschaften oder wenigstens von Teilen ist,  mit Ausnahme von Keramikscherben sehr gering. Bei den Keramikscherben beträgt der Anteil  an slawischer Keramik 3%, der Rest ist frühdeutsche Ware, mit wenigen Teilen Pingsdorfer Keramik  und einigen kleinen glasierten Gefäßen.
Bemerkenswert sind auch drei slawische Schläfenringe, die als ethnognomonisches Merkmal für einen slawischen Bevölkerungsanteil gewertet werden.
          
Bild 4                                                                   Bild 7

                 
              Bild 5                          Bild 6                                   Bild 8
 Bild 4  Frühdeutsche Knubbenkanne (sogenannte Grauware), ca. 165 mm hoch
Bild 5 Gefäß aus sog. Pingsdorfer Keramik, ca. 75 mm hoch
Bild 6  Kleines glasiertes Gefäß, ca. 50 mm hoch
Bild 7 Spinnwirtel
Bild 8  Zwei Schläfenringe, ca.32 und  und 45 mm Durchmesser
An einer Stelle waren auch Spuren einer Ackerbearbeitung mit dem Haken erkennbar.
Ferner wurden sechs Brunnen erfasst. Von einem Brunnen wurde noch der gut erhaltene  hölzerne Brunnenkasten ergraben, dessen eichene Bohlen für eine dendrochronolgische Zeitbestimmung herangezogen werden konnten. Die Untersuchung ergab als Fälldatum des Baumes, aus dem die Bohle abgespalten wurde das Jahr 1208 +/- 2 Jahre, ein Datum, dass sehr gut mit aus der Keramik gewonnenen Zeitdaten übereinstimmt
Außerdem wurden sechs Teerschwelgruben ergraben.
Eine durchgeführte Pollenanalyse zeigte, dass hier einige Zeit nach der Dorfgründung Hanf angebaut wurde, der vermutlich von Siedlern aus dem niederrheinischen- niederländischen Gebiet in unsere Gegend eingeführt wurde.

Ende der Siedlung am Machower Krummen Fenn


Nach einer Nutzungszeit von ca. 30 Jahren - eine Generation – wurde das Dorf aufgegeben. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Die geringe Zahl von Funden lässt vermuten, dass sie nicht weit  gezogen sind, vielleicht nur bis Zehlendorf.
In der zweiten Phase der Besiedlung des hohen Teltow durch die Askanier wurde nämlich der Handelsort Berlin/Cölln gegründet oder weiter ausgebaut und das Straßennetz  auf diesen neuen Ort ausgerichtet. Dazu wurden die Dörfer Zehlendorf,  Dahlem, Schmargendorf, Wilmersdorf, Schöneberg gegründet, die alle an einer nach Berlin/Cölln führenden Straße lagen (Bild 2). Damit verlor auch die Verbindung Saarmund-Spandau an Bedeutung. Diese Straße machte nun hinter Klein-Machnow einen deutlichen Knick nach Osten und wurde dann über Zehlendorf nach Berlin/Cölln geführt.
 Nach dem Wegzug der Siedler wurde die Dorfstelle am Machnower Krummen Fenn wüst und wurde wieder Ackerland. Sie geriet bald für Jahrhunderte  in Vergessenheit. Erst  im Frühjahr 1939 fand der Schüler Horst Trzeciak einige mittelalterliche Scherben auf dem Gelände , die er schließlich im  Bodendenkmalamt abgab und die dann die Ursache für die von 1968 bis 1990 durchgeführte archäologischen Grabung waren.

Literatur:
Brande. A. 1987, 
Die mittelalterliche Landschaft und Vegetation am Krummen Fenn. Führungsblatt Museumsdorf Düppel, Berlin, 1987

Brande. A. 2007,                                                                                                                    Die  mittelalterliche Landschaft und Vegetation am Krummen Fenn, Führungsblatt Museumsdorf Düppel, Berlin, 2007
 
 Claude, D. 1985 
 Aspekte des Binnenhandels im Merowingerreich auf Grund der Schriftquellen, in: Düwel, K. (Hrsg.) Untersuchungen zu Handel und Verkehr der vor- und frühgeschichtlichen Zeit, Teil.3, Akademie der Wissenschaften, Göttingen, 1985, S.28
 
Eikhoff, S., et al. 2006, 
Zwischenlandung im Mittelalter, die Ausgrabungen von Diepensee, Wünsdorf 2006
 
 Fritze,  Wolfgang, 1985                           
Die frühe Besiedlung des Bäketals, in: Henning, E. und Vogel, W., (Hrsg) Jahrbuch für brandenburgische Landesgeschichte 36.Band, Berlin 1985, S. 7 - 41
 
Fritze, Wolfgang, 2000,                                                                                      Gründungsstadt Berlin, in:  Ribbe, W. (Hrsg) Kleine Schriftenreihe der historischen Kommission zu Berlin, Heft 5 , Berlin, 2000
 
Heinrich, G.1995
 Berlin und Brandenburg,  in Heinrich (Hrsg.) Handbuch der historischen Stätten        Deutschlands, Bd 10, Stuttgart 1995,
 
Kirsch, Eberhard, 2004,                                                                                                          Bemerkungen zum Wandel der Keramik während des Landausbaus im 12. und 13. Jahrhundert in Brandenburg in: Biermann und Mangelsdorf (Hrsg.) Die bäuerliche Ostsiedlung des Mittelalters  in Nordostdeutschland, Greifswald, 2004
 
Müller, A. von, 1974                                                                                                            
Zur hochmittelalterlichen Besiedlung  des Teltow (Brandenburg). Stand eines mehrjährigen archäologisch-siedlungsgeschichtlichen Forschungsprogramms in Schlesinger, W. (Hrsg.) Die deutsche Ostsiedlung des Mittelalters als Problem der europäischen Geschichte. Sigmaringen,  1974, 311- 332
 
Müller, A. von, 1986                                                                                                                          
Das Museumsdorf  Düppel, Berlin, 1986
 
Müller, A. von, 1997                                                                                                      
Spandau, Fürstenburg, Fernhandelsplatz und frühe Stadt. Heimatkundliche Vereinigung1954 e.V. Spandau,1997
 
Munk, J. 1931                                                                                 
Die Heer- und Handelsstraßen der Mark Brandenburg vom Zeitalter der ostdeutschen Kolonisation bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Berlin, 1932
 
Schöneburg, Peter, 2007                                                                                                                   
Die Untersuchung der Dorfstelle Klein Görigk in: Archäologie in Berlin und Brandenburg, Berlin, 2007
 
Tietz, Jürgen 1991                                                                                                                    
Das Dorf Düppel,    in:  Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Freien Universität Berlin (Hrsg.) Prähistorische Archäologie im Raum Berlin. Berlin,1991.
 
Wetzel, Jürgen, 1988
Zehlendorf, in: Ribbe, W.  (Hrsg.) Geschichte der Berliner Verwaltungsbezirke, Berlin,1988, S.43
 
 
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