
Pionier der experimentellen Archäologie – Impulsgeber und Vorstandsvorsitzender im Fördererkreis Museumsdorf Düppel e.V.
Mit Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Mamoun Fansa, der am 10. April 2026 verstorben ist. Mit ihm haben wir eine Persönlichkeit verloren, die wie nur wenige für die experimentelle Archäologie in Deutschland und Europa stand: als Forscher, Museumsdirektor, Netzwerker und überzeugender Vermittler. Für Mamoun Fansa war das Experiment nicht „Illustration“ von Vergangenheit, sondern ein Weg zu überprüfbarer Erkenntnis – und zugleich eine Einladung an die Öffentlichkeit, am archäologischen Denken teilzuhaben.
Geboren wurde Mamoun Fansa am 27. August 1946 in Aleppo (Syrien). 1967 kam er nach Deutschland – ein Schritt, der seine Offenheit für Perspektivwechsel und kulturelle Vermittlung prägte. Ausgehend von einer künstlerischen Ausbildung (Diplom in Angewandter Malerei an der Fachhochschule für Kunst und Design Hannover) studierte er Vor- und Frühgeschichte in Hannover und Göttingen (Magister 1976). 1979 wurde er mit einer Arbeit zur Keramik der Trichterbecherkultur aus den Megalith- und Flachgräbern des oldenburgischen Raumes promoviert. Die Verbindung von Gestaltungssinn und materialbezogener Forschung blieb für sein späteres Verständnis von experimenteller Archäologie leitend.
Nach Jahren als Kunsterzieher (1972–1978) und einer Tätigkeit am Institut für Denkmalpflege in Hannover wechselte Mamoun Fansa 1987 als Oberkustos in die vorgeschichtliche Abteilung des Landesmuseums für Natur und Mensch in Oldenburg (heute: Landesmuseum Natur und Mensch). Von 1994 bis 2011 leitete er das Museum als Direktor. 1997 wurde er zum Honorarprofessor für Geschichte an der Universität Oldenburg berufen. Daneben arbeitete er zur Jungsteinzeit in Niedersachsen (u. a. Großsteingräber und die Trichterbecherkultur) sowie zur Moorarchäologie mit Moorwegen und Moorleichen. Seine besondere Stärke lag darin, diese Themen nicht nur zu erforschen, sondern die Logik der Forschung transparent zu machen: Was lässt sich zeigen, was bleibt Hypothese, und wie belastbar ist eine Rekonstruktion?
Besonders sichtbar wurde sein Ansatz in den Ausstellungen, die er konzipierte und initiierte. Die von ihm zwischen 1990 und 2004 auf den Weg gebrachte Wanderausstellung zur experimentellen Archäologie wurde für viele Häuser und Besucherinnen und Besucher zu einem Schlüsselerlebnis: Das Ausprobieren, das Scheitern und das erneute Prüfen wurden als Teil archäologischer Erkenntnis erfahrbar. Damit gab er dem Fach eine Form, die nicht vereinfachte, sondern verständlich machte.
Weit über einzelne Projekte hinaus wirkte Mamoun Fansa als Motor der Community: Er war richtungsweisend bei der Gründung der Europäischen Vereinigung zur Förderung der Experimentellen Archäologie und stand ihr bis 2008 als Vorsitzender vor. Die Vereinigung wurde zu einer Plattform für Austausch, Standards und Kooperationen – zwischen Universitäten, Museen, Archäotechnik, Handwerk und Ehrenamt. Damit trug er entscheidend dazu bei, experimentelle Archäologie als ernstzunehmenden methodischen Zugang zu profilieren und ihre Ergebnisse in den wissenschaftlichen Diskurs wie in die Bildungsarbeit zu integrieren.
Einen besonderen Schwerpunkt setzte er in seinen letzten Lebensjahren im Museumsdorf Düppel in Berlin-Zehlendorf. Von 2011 bis 2016 war Mamoun Fansa Vorstandsvorsitzender des Fördererkreises Museumsdorf Düppel e.V. und damit verlässlicher Antreiber, Berater und Fürsprecher des Hauses. Er verstand Düppel als idealen Ort für das, wofür er ein Leben lang eintrat: archäologische Fragen im Maßstab des Alltags zu testen. Als Vorsitzender stärkte er die Verbindung von Forschung, Vermittlung und Ehrenamt und setzte sich dafür ein, dass experimentelle Archäologie nicht als Show, sondern als seriöse, nachvollziehbare Arbeit sichtbar bleibt. Auch war er maßgeblich daran beteiligt, dass das Museumsdorf Düppel als Standort erhalten geblieben ist. Gemeinsam mit Mitgliedern des Fördervereins kämpfte er gegen die Schließung des Standortes – mit Erfolg.
Mamoun Fansa verband fachliche Strenge mit künstlerischem Blick. Sein Vermächtnis liegt besonders darin, die experimentelle Archäologie als Erkenntnisweg und als Vermittlungsform dauerhaft gestärkt zu haben – in Ausstellungen, in Netzwerken und nicht zuletzt im Museumsdorf Düppel. Viele Kolleginnen und Kollegen, Weggefährtinnen und Weggefährten und Studierende werden ihn als anregenden Impulsgeber und als überzeugenden Brückenbauer in Erinnerung behalten.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Freundinnen und Freunden sowie allen, die ihm verbunden waren. Wir werden Prof. Dr. Mamoun Fansa ein ehrendes Andenken bewahren.
