Quitten | Mittelalterliche Pflanzen & Rezepte

Quitten Rezept - Museumsdorf Düppel | Foto Eva Götting-Martin

Saft, Gelee oder Essig – Die Quitte ist vielseitig. Im Herbst werden im Museumsgarten die Quitten geerntet. Die duftenden Früchte können bei der Gartengruppe erstanden werden. Unserem Kalenderblatt haben wir auch zwei Quittenrezepte beigefügt – eines historisch das andere modern!

Quitte
Cydonia oblonga

Die botanische Bezeichnung leitet sich vom lateinischen mela cydonia ab, was mit Apfel aus Kydon übersetzt wird. Kydon ist der alte Name für Kreta.

Familie: Rosengewächse

Inhaltsstoffe: Die Quittenschalen enthalten Quercetin (entzündungshemmend, krampflösend). In der Frucht sind Gerbstoffe und Tannine enthalten (antibiotisch und entzündungshemmend), Pektine (binden Gifte, Schmermetalle im Darm), Gerbstoffe, Vitamin B, C und Carotin.

Anbau: Durch relativ späte Blüte ist sie kaum gefährdet durch Frost. Sie kann auch als Einzelbaum gepflanzt werden (meist selbstfruchtbar) und in möglichst geschützter, warmer und windarmer Lage. Der Boden sollte mittelschwer, nicht zu trocken sein, und leicht sauer (pH-Wert 6-6,3). Ernte Mitte September bis Mitte Oktober wenn keine Grünanteile mehr in der Schale sind und der Filzüberzug zurücktritt. Nachlagerung von 2-3 Wochen wird empfohlen.

Mittelalterliche Quellen: Dioskorides, Hildegard von Bingen

Verwendung: In unseren Breiten wird sie nicht roh gegessen, sondern meist zu Saft, Gelee, Quittenessig, Chutney oder Quittenbrot verarbeitet. Besucher aus südlichen Ländern berichteten jedoch von rohem Verzehr in ihrer Heimat.

 

Rezept – Gebratene Quitten à la Philippine Welser

Ein historisches Rezept aus dem 16. Jahrhundert ist uns überliefert aus dem Kochbuch, De Re Coquinaria, der Philippine Welser. Die bürgerliche Philippe heiratete in aller Heimlichkeit den Kaisersohn Erzherzog Ferdinand II. von Habsburg, Landesfürst von Tirol. Die damals skandalöse Heirat hatte auch etwas Gutens, denn ihrer Mitgift legte Philippine ein Kochbuch bei, das uns bis heute erhalten geblieben ist. In ihm findet sich auch ein Rezept für gebratende Quitten.

  • 600g Quitten
  • Butterschmalz oder Öl
  • 125g Mehl
  • 1 TL Zucker
  • 1 Prise Vanille
  • 1/4 ungespritzte Zitrone
  • 1/8 l dunkles Bier
  • 2 Eier
  • 2 El brauner Zucker oder Zucker-Zimt-Mischung

Die Quitten schälen, das Kerngehäuse entfernen und die Früchte vierteln und in Scheiben schneiden. Quitten mit 1 El Butterschmalz  erhitzen und bei schwacher Hitze 15 Minuten dünsten. Mehl, Zucker, Salz, Vanille und Zitronenschalen mit Bier verrühren und die Eier untermischen. Die abgekühlten Quittenzugeben und unterheben. Die mit Teig überzogenen Quittenscheibe einzeln in Butterschmalz bei mittlerer bis schwacher Hitzte ca. 4 Minuten goldgelb braten. Fett abtropfen lassen, mit Zucker überstreuen. Fertig!

(Quelle Rezeptadaption: J. Blume, Das Buch von Guter Speise – Mittelalterlich kochen, 2009, S. 204.)

 

Rezept – Quitten Chutney

Quitten-Chutney

Dieses moderne Quitten-Rezept ist eine Empfehlung von unserer Gartengruppe. Bon appétit!

  • 1 kg Quitten
  • 200 g Rohrzucker
  • 2 Zwiebeln
  • 1 Chilischote
  • 1 Stück Ingwer, geschält
  • 1 Sternanis
  • 1 Stange Zimt
  • 180 ml Weißwein- oder Apfelessig (+ evtl. ein Schuss Rotwein)
  • 1 EL Senfkörner
  • Salz

Die Quitten putzen, vierteln und entkernen. In Stückchen schneiden. Die Quitten mit Zucker und Salz mischen und kurz stehen lassen. Die Zwiebeln in kleine Stückchen schneiden, ebenso den Ingwer und die Chilischote. Mit etwas in Öl in einer Pfanne kurz anschwitzen, die Quitten (mit Flüssigkeit) dazugeben und zusammen mit allen Gewürzen in knapp 20 min bei niedriger Hitze weiche köcheln. Sternanis und Zimtstange entfernen und heiß in saubere Gläser abfüllen.

 

Ein Beitrag und Foto von: Annett Waldhelm (Stellvertretende Sprecherin der Gartengruppen)

 

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